Die Stadt Zürich muss ihre Praxis beim Einsammeln länger abgestellter Velos überdenken. Nach einer erfolgreichen Einsprache hat sie die Räumungen vorerst teilweise eingestellt.

Doch hinter der Frage, wie lange ein Velo an einem öffentlichen Veloständer stehen darf, steckt eine grundsätzlichere: Wem gehört eigentlich der öffentliche Raum? Wer darf ihn nutzen? Wofür und wie lange?

Unsere Strassen und Plätze sind Verkehrswege, Treffpunkte, Aufenthaltsorte und manchmal auch Geschäftsflächen. Boulevardcafés beanspruchen Platz. Gleichzeitig braucht es Orte, an denen man sich aufhalten kann, ohne etwas zu konsumieren. Märkte, Grossveranstaltungen, Demonstrationen und vieles mehr muss in einer lebendigen Stadt Platz finden, schränkt aber andere Nutzungen temporär ein. 

In einer dicht genutzten Stadt wie Zürich lassen sich solche Zielkonflikte schlichtweg nicht vermeiden. Es braucht Regeln, eine sorgfältige Abwägung der unterschiedlichen Interessen. Nicht jede Nutzung hat immer und überall die gleiche Priorität oder einen Anspruch auf gleich viel Platz. Diese Verteilung des öffentlichen Raums muss politisch immer wieder neu ausgehandelt werden. Und unabhänig davon, wie am Schluss entschieden wird: die Regeln müssen nachvollziehbar und verhältnismässig sein.

Die Diskussion um abgestellte Velos ist vielleicht eine gute Gelegenheit, wieder grundsätzlich darüber nachzudenken, welche Nutzungen unseres öffentlichen Raums ermöglicht werden sollen.